Mittwoch, 10. November 2010

Fließende Wortungetüme


Neulich las ich, dass der amerikanische Schriftsteller Joey Goebel gerade Deutsch lernt. Mit dem Pioniergeist eines Fremdsprachlers lässt sich der Mann aus Kentucky die buchstabenlangen "Ungetüme" der deutschen Sprache regelrecht auf der Zunge zergehen. Und zwar ohne, dass Letztere daran zerbricht.
 

In einem Interview mit dem Diogenes Magazin hat er seine zehn deutschen Lieblingswörter aufgelistet. In dieser Top Ten kommen das Wort Bitte genauso vor wie Töten, Geschirrspülmaschine oder Kugelschreiber. Der Amerikaner meint, dass die schroffen Laute des Deutschen den Worten Energie verleihen.
"In meinen Ohren haben Wörter wie Krankenschwester etwas Kraftvolles, Wuchtiges. Verglichen mit einem derart brutalen Wort wirkt das englische Pendant nurse fad und leblos."



Noch angetaner ist der Schriftsteller aber von dem "anmutig dahinfließenden" Wort Badewanne:
"Vergleichen Sie mein kaltes, schlichtes bath tub mit eurer warmen, einladenden Badewanne, ein Wort, das so sexy klingt, dass jede Stripperin gut beraten wäre, es als Künstlernamen zu nehmen."
Ich gebe zu, dass ich in diesem Zusammenhang noch nie über Badewannen nachgedacht habe.