Textaroma

Friday, July 10, 2009

Take a picture

Mach doch mal ein Foto!









Fotos: Julia Christ

Sunday, July 5, 2009

Mein persönlicher Stromkasten

Fundstücke der Woche.
Nicht immer gesucht, aber doch gefunden habe ich diese Woche:

* einen Reisebericht über Lissabon, mündlich überliefert
* viel Recherchearbeit, inklusive heftigem im-Nebel-Stochern
* eine Kugel Pistazieneis
* ein anregendes Interview über ADHS, selbst (mit)gemacht
* aufrührende Bilder der World Press Photo-Ausstellung
* ein Telefonat nach Australien
* offene, neue Leute
* das Wissen darum, dass es drei Arten von Flugangst gibt
* Weinen und Lachen
* ein halbvolles Glas
* Buntstifte, die gespitzt werden wollten
* Spinnweben, die dran glauben mussten
* den Sommer, die Hitze und den Regen
* jede Menge Soja Latte

Sunday, June 28, 2009

Venedig zum Zweiten

Weitere Impressionen anlässlich der 53. Biennale in Venedig von Uwe Koch.





























Alle Fotos: Uwe Koch

Saturday, June 27, 2009

La Biennale di Venezia




Giardini - Palazzo delle Exposizioni / Arbeit von Tomas Saraceno /
Eine Raumarbeit wie eine Astronomische Konstellation.


Endlich - die 53. Biennale in Venedig hat ihre Pforten geöffnet. Die internationale Ausstellung läuft noch bis zum 22. November 2009. Der Biennalebesucher Uwe Koch, der ebensfalls Künstler ist, hat ein paar seiner Eindrücke fotografisch festgehalten. Seine ersten Impressionen stelle ich hier vor. Weitere folgen.
The Venice Biennale
The 53rd International Art Exhibition, titled Making Worlds, is open in the Giardini and the Arsenale venues, and in other locations around the city. It will take place until 22nd November 2009.
History
The Venice Biennale has for over a century been one of the most prestigious cultural institutions in the world. Ever since its foundation in 1895, it has been in the avant-garde, promoting new artistic trends and organising international events in contemporary arts. It is world-beating for the International Film Festival, for the International Art Exhibition and for the International Architecture Exhibition, and continues the great tradition of the Festival of Contemporary Music, the Theatre Festival, now flanked by the Festival of Contemporary Dance.

Fotos: Uwe Koch

Tuesday, June 23, 2009

Coffee shop impressions







Location: Balzac Coffee, Berlin

Saturday, June 6, 2009

Color me



In welchen Irrungen und Wirrungen habe ich in der vergangenen Woche verstrickt? Wer oder was ist mir begegnet? Vieles, Mannigfaltiges, Beengendes, Befreiendes, Streß, Graues und Farbenfrohes, Lichtpunkte, Wendepunkte, kleine Erfolgserlebnisse und Inspirationen - all das war mit dabei. Ein paar dieser Augenblicke habe ich oben versucht mit Wordle - einem hübschen kleinen grafischen Spielzeug - einzufangen. Ansonsten hat mich die New Yorker Fotokünstlerin Katie Sokoler sehr beeindruckt.



Katie Sokoler AKA Color Me Katie is a specialist at working with strangers. Inspired by a college project in which the then shy Katie was forced to photograph 100 strangers in 5 hours, she has since eschewed using models to stage shoots, preferring instead to promote human interaction through her work and capture the results of humans in their natural habitat....when mixed with fantasy or fun.

Anbei das Video über Katie und ihre Kunst. See her video.

Sunday, May 31, 2009

The man I met...


... somewhere in Berlin, Prenzlauer Berg.


Foto: Julia Christ

Friday, May 29, 2009

Peace

Do you remember John Lennon and Yoko Ono with their Bed-in performance for peace in 1969? The first one took place on March in Amsterdam and the second one on May in Montreal. This year, 2009, is the 40th anniversary of the Bed-Ins and Yoko Ono has made a video out of it:


WAR IS OVER! (If You Want It) from Yoko Ono on Vimeo.

Hunger



Ich habe alle Arten von Hunger.

Schreibhunger,
Liebeshunger,
Lebenshunger.

Hunger ist das Beste, was es gibt.

Amélie Nothomb
(belgische Schriftstellerin)



Foto: Julia Christ

Thursday, May 28, 2009

Home

Der Fotograf Yann Arthus-Bertrand zeigt in seinem Film HOME die Zerbrechlichkeit unserer Erde – ästhetisch und berührend zugleich. Der Film ist zugleich ein Aufschrei, wie Zeit online schreibt: Mensch, was tust du deiner Heimat an? Anbei der Trailer zum Film. Am 5. Juni wird der Film in mehr als 50 Ländern dieser Erde gezeigt. Auch auf You Tube ist er in voller Länge zu sehen.


Yann Arthus-Bertrand writes about his film project on You Tube
In 200,000 years on Earth, humanity has upset the balance of the planet, established by nearly four billion years of evolution. The price to pay is high, but it's too late to be a pessimist: humanity has barely ten years to reverse the trend, become aware of the full extent of its spoliation of the Earth's riches and change its patterns of consumption.

More than a movie, HOME will be a major event all over the globe : for the first time ever, a film will be released on the same day in over 50 countries and on every format : movie theatres, TV, DVD and Internet. On June 5th we all have a date with the planet !



Tuesday, May 26, 2009

The Day after Towel-Day...


... I remember Douglas Adams. He once said:
I think fish is nice,
but then I think that rain is wet,
so who am I to judge?


Zitat entdeckt bei the life and love of miss k.

Monday, May 25, 2009

Bonmot


Nicht was wir sehen, wohl aber wie wir sehen, bestimmt den Wert des Geschehenen.

Blaise Pascal (1623 – 1662)



gesehen bei Champs Elise

Saturday, May 23, 2009

Du bist Terrorist - You are a Terrorist

Happy Birthday! Heute ist der Feiertag der Demokratie. Vor 60 Jahren trat das Grundgesetz in Kraft. Doch peu à peu werden hierzulande die Bürgerrechte eingeschränkt. Das zeigt auch der Designer Alexander Lehmann in seinem viel beachteten Video Du bist Terrorist. Ein Filmstück, eine Persiflage oder Realsatire, wie Spiegel Online schreibt.

The video-designer writes on his blog:
„You are a Terrorist“ is a persiflage of two official german Social-Marketing-Campaigns. While „Du bist Deutschland“ (You are Germany) was promoting the national consciousness and a child-friendly germany, „You are a Terrorist“ is the answer to todays politics in Germany. All Citizens are under general suspicion. Germany becomes a prevential surveillance society. By visualizing the already passed and future laws, it shows how the Germany of the present and the very near future does look like."



Tuesday, May 19, 2009

Wie krank ist Deutschland?

Sechs Prozent minus. Schon zwei Quartale hintereinander befindet sich Deutschlands Wirtschaft im freien Fall. Das Land leidet unter der globalen Depression. Ein österreichischer Journalist macht sich darüber Gedanken und steigt in den Zug. Ein Roadmovie von Robert Misik...

Monday, May 18, 2009

Mann, hab ich Gigabytes!

Wie mache ich auf meine neue Agentur aufmerksam? Hier ein Beispiel von La Red ;-)

Thursday, May 7, 2009

No Freedom? Ein kleiner Rückblick zum Tag der Pressefreiheit


Amnesty International
zählte im vergangenen Jahr 77 Länder, in denen die Meinungs- und Pressefreiheit beschnitten wurde. 107 Journalisten und andere Medienleute mussten sogar für ihren Job sterben. Dazu gab es am 3. Mai ein Video, das anlässlich des Tages der Pressefreiheit, veröffentlicht wurde.

For the Freedom of the Press from DSchr on Vimeo.

Monday, May 4, 2009

Pay the writer

Schluss mit dem ewigen "Die anderen machen's auch umsonst". Textarbeit ist Arbeit, und die sollte wertgeschätzt werden. Mehr als mit einem warmen Händedruck oder einem Lob. Schließlich arbeiten Handwerker, Ärzte und alle anderen auch nicht umsonst. Das findet auch Harlan Ellison.

Saturday, May 2, 2009

The True


"Life is a growing expedition through the tangled and unfilled in parts. What happens after age nine? Because of the fear we don't trust our own life? Our story? Our colors? To be afraid and leap regardless there is such power in that. To live into the questions of our lives - when nothing feels clear. We have this chance to do absolutely anything, to reach out to another Vulnerable and True. To dance on the roof in euphoria to pray into the ocean and let go. We have this chance every moment to be alive and give to this world, which needs each one of us.

WE MUST SHOW UP FOR
OUR OWN LIFE.
Be Brave be messy
Be loud be strong.
TRUST yourself."

(by Sabrina Ward Harrison)

Monday, March 30, 2009

Peh oder das P in der Poesie

Zum Thema Spoken Word Poetry kann man viele Worte verlieren. Statt dessen lasse ich die Sprachperformer lieber für sich selbst sprechen. Und beginne zunächst mit der wortgewandten Peh. Aber vielleicht doch noch ganz kurz:

Die gebürtige Berlinerin wird schon mal germie gebürtige Berlinerin wird schon mal gern als „das P in Poesie“ angekündigt und Bas Böttcher taufte ihre Lyrik „neue Sinnlichkeit“. Sie selbst sagt über ihre Texte „Hauptsache: echt!“ und hält es mit Dorothy Parker: „The purpose of a poet is to speak what he sees and feels.“

Monday, March 23, 2009

Wenn ich nicht ich wäre, wäre ich

Lange war es still um die brünette Bloggerin. Jetzt meldet sie sich zurück. Sie wanderte ein wenig im großen, weiten Wald umher und ist jetzt wieder einmal über ein Stöckchen gestolpert. Gefunden hat sie es bei text de luxe. Es ist also wieder einmal Zeit, den Vorhang zu lüften.












Wenn ich nicht ich wäre, wäre ich

ein Monat: verzauberter April
ein Wochentag: Freitag
eine Tageszeit: L'heure bleue
ein Planet: Uranus
ein Meerestier: Seepferdchen
eine Richtung: um die Ecke
eine Zahl: 11
ein Kleidungsstück: ein Tellerkleid mit tausend Schichten
ein Schmuckstück: eine Uhr mit vielen Uhrzeiten
eine Kosmetik: milchig-cremig und blumig duftend
eine Blume oder eine Pflanze: Rose oder wilder Lavendel
eine Flüssigkeit: die, die auf der Zunge kribbelt
ein Baum: ein verschlungener
ein Vogel: Schwalbe
ein Möbelstück: ein fliegender Teppich
ein Wetter: mit viel Himmelsblau
ein mythisches Wesen: Elfe
ein Tier: Einhorn
eine Farbe: die des Regenbogens
ein Element: Luft
ein Auto: eines mit Flügeln und Hybridantrieb?
ein Lied: O mio babbino caro
ein Film: Die fabelhafte Welt der Amélie
eine Filmfigur: dito
eine Stimmung: flatterhaft bis optimistisch
ein Körperteil: Herz
ein Gesichtsausdruck: offen
ein Schulfach: Philosophie
ein Gegenstand: Murmel
ein Wort: Wortungewand
ein Körpergefühl: Kribbeln
ein Knabbergebäck: mag ich nicht
eine Sportart: Jonglage
eine Droge: Johanniskraut? Speed? Grüner Tee? Besser: das Leben als solches
ein Getränk: Chai-Tee
eine Eissorte: Pistazie
eine Stadt: aus tausend-und-eine Nacht
ein Märchen: Die kleine Meerjungfrau
ein Spielzeug: Spielzeuguhr mit Tänzerin
ein Land: Island, Neuseeland oder Bali vielleicht

Es mache mit, wer wolle. Bitte fühlt euch alle eingeladen :-)

Saturday, January 24, 2009

Ohne Titel

Ein Song von Sigur Rós. Und das unheimliche Video dazu.

Friday, December 12, 2008

Wenn der Gasmann zweimal klingelt

Tage lang, nein Wochen lang bewegte sie sich nur noch "im Radius zwischen Schreibtisch, Bett und Kühlschrank". Versorgte ihre Gehirnzellen mit tausenden und abertausenden Mails, News, Postings und Twitter Messages und ihre Körperzellen mit unzähligen Monosacchariden. Versuchte Kunst und Wissenschaft zusammen zu bringen. Musenkuss und Staubtrockengebiete*. Verlies sich dann eher auf auf das Wissenschaftliche und Pseudowissenschaftliche. Vernachlässigte die Künstlerin in ihr sträflich. War damit nie ganz zufrieden. Prokrastinierte, was das Zeug hielt. Konnte sie immer schon gut. Konnte wieder Höhenflugübungen machen.



Bis eines Tages der Gasmann zweimal klingelte. Montagmorgens um acht. Der brachte ihr leider nicht den heiß ersehnten Flugschein, nein, auf dem blütenweißen Papier stand etwas Gänzlich anderes.
"Sie wissen, warum ich hier bin", fragte er mit ernster Miene. Dabei blickte er erst vorwurfsvoll in ihr Gesicht und dann auf das Snoopy-Nachthemd, mit dem sie die Tür geöffnet hatte.

Sie nickte schluckend. "Wie viel ist es denn?", fragte sie leise vor lauter Verlegenheit.

Er nannte die Summe, und sie war erleichtert. Zunächst zumindest.

"Das hab' ich auf der Bank", sagte sie mit bemühtem Optimismus. "Ich muss es nur noch schnell holen."

"Wie lange wird das dauern?", fragte er in einem Tonfall, der halb nach Sachlichkeit, halb nach Wohlwollen klang.

Sie nannte ihm den Zeitrahmen und sie wurden sich einig. Wie eine Sesam-öffne-dich spuckte später der Geldautomat die Scheine aus. Danach verhielt sich ihr Konto wie eine Magersüchtige, war fast kreidebleich und stocherte lustlos wie anklagend an den letzten Zahlenkrümeln herum. Und das 21 Tage vor dem Ersten des Monats, wo es wieder Geld gab. Und das 14 Tage vor Weihnachten, ohne auch nur das winzigste Geschenk gekauft zu haben.

Darauf konnte und wollte sie als Mutter zweier Kinder und eines Katers nun wirklich nicht verzichten. Außerdem gab es da noch eine kleine Schwester samt kleinem Neffen, ein Patenkind, den Herrn Papa, die Frau Stiefmama, Tanten, eine Lieblingstante, Cousinen und einen Cousin, eine vereinzelte Großmutter und den ein anderen Freund, den oder die sie beschenken wollte.


Es musste also Geld her und zwar subito cash auf die Kralle. Da das Sammeln und Jagen sich als genetisches Muster tief in ihr limbisches System eingeprägt hatte, konnte es ja wohl nicht so schwer sein. Was war zu tun?

Die Jägerin in ihr erwachte. Wer schon öfters erfolgreich Wort und Wendungen gejagt hat sowie hin und wieder auch den ein oder anderen Mann, sollte auch in der Lage sein, sich ein paar Euroscheine zu angeln. So fuhr sie ihre Fangzähne aus, blähte ihre Nasenflügel auf und versuchte Witterung aufzunehmen. Beute schien es in allen Windrichtungen zu geben. Wo sollte sie anfangen zu jagen?

1) Sich Blut abzapfen lassen bei dem unheimlichen Rotkreuzauto vor dem Einkaufzentrum? Nach dem Motto: Wer shoppen will, muss bluten. Eigenhund hat da bereits einschlägige Erfahrungen gemacht.


2) Sich in der klirrenden Kälte auf dem Weihnachtsmarkt verdingen?


3) Telefonistin bei "gutgehender Erotikline" werden? Bedingungen: Mindestalter von 21 Jahren, keine Angst vor dem Thema Erotik, Einsatz auch nachts, Einsatzwillen überhaupt.


4.) Webcamgirl? "Wenn Sie gleich anfangen, können Sie noch vor Weihnachten Geld bekommen, je nach Zeitaufaufwand sind noch bis zu 1500 Euro vor Weihnachten möglich. Groß, klein, dick, dünn oder Supermodel, bei uns bekommt jede Frau eine Chance."



Oh yeah, jede Frau bekommt eine Chance. Im Jahrhundert der ungrenzten Möglichkeiten schien alles machbar. Sie surfte, klickte, googlete, suchte und jagte weit und immer weiter. Ihr abgesteckter Radius zwischen Schreibtisch, Bett und Kühlschrank blieb, wo war. Zumindest jetzt noch.










* Feuchtgebiete hätten ihrem Naturell eher entsprochen, aber so viel Risiko schien sich nicht zu geziemen.

Wednesday, November 26, 2008

Man kann nicht nicht kommunizieren (3)

"Mir macht interviewt zu werden genausowenig aus wie Walzer zu tanzen - das heißt, meine Antworten hängen von der Energie und Antwort und Einstellung und Intelligenz des Gegenübers ab. Manche tanzen gut, manche tollpatschig, manche treten dir unabsichtlich auf die Füße - und manche absichtlich..."
(Margaret Atwood, kanadische Schriftstellerin)

Eigentlich kann sie einem Leid tun. Die erfolgreiche wie mit Stars und Sternchen routinierte Journalistin Rebecca Casati ist kürzlich an dem Versuch, ein Wortlautinterview für die Süddeutsche Zeitung mit Leonardo DiCaprio zu führen, gescheitert. Sie hat sich regelrecht die Zähne an dem Hollowoodstar ausgebissen. Auf fast alle Fragen der Reporterin reagiert er damit, indem er ihre Frage wiederholt. Große Teile des versuchten Interviews lesen sich so:

"Seit "Titanic" kennt man Sie in jedem Winkel der Welt. Reagieren die Menschen in den unterschiedlichen Regionen unterschiedlich auf Sie?"

"Reagieren Sie unterschiedlich auf mich? Absolut."

"Es heißt, Sie sind ein toller Imitator."

"Ein toller Imitator? Sagt wer?"

"Die vielen Leute, vor denen Sie offenbar mal jemanden toll imitiert haben."

"Die vielen Leute, vor denen ich mal jemanden toll imitiert habe?"

Ein solches Interview macht keinen Spaß, gar keinen Spaß. Auch Frau Casati scheint fast zu verzweifeln an dem widerspenstigen Schauspieler. Aber sie bleibt tapfer, zieht das Gespräch durch und rächt sich nach üblicher Journalistenart, indem sie auf ein Wortlautinview verzichtet und statt dessen minutiös beschreibt, wie anstrengend das Gespräch mit Leonardo DiCaprio gelaufen sei. Als Krönung des Ganzen kommt sie nicht umhin zu erwähnen, dass er ihr nicht länger als drei Sekunden hat in die Augen sehen können. Außerdem nennt sie ihn mal einen Robotor, mal einen Modelizer. Das heißt einen Mann, der sich gerne mit Models umgibt. DiCaprios Engagement für die Umwelt hingegen lässt sie gänzlich aus. Die subjektive wie selektive Wahrnehmung niederzuschreiben und zu veröffentlichen. An sich wäre das kein Problem. Schwierig wird die Sache allerdings dadurch, dass Leser geneigt sind zu glauben, dass Porträts und Reportagen objektiv seien. Und oft halten sich auch die Journalisten selbst, ganz gleich bei welcher journalistischen Gattung, für sehr objektiv.

"Was ist eigentlich das unerhörteste Teil in Ihrem Kleiderschrank?"

Pause.

Pause.

"In meinem Kleiderschrank?"

"Ja."

Pause.

Pause.

Dann: "Ich verwende eine phänomenale Menge an Zeit darauf, nicht an meinen Kleiderschrank zu denken."

"Wirklich? Gleich phänomenal viel?"

"Ja, er ist so was von nicht auf meinem Radar, dass ich normalerweise nur im Vorbeigehen irgendetwas zum Anziehen greife. Es sei denn, ich spiele eine Rolle. Dann sucht jemand anderes meine Kleider für mich aus."

Klar, könnte man jetzt meinen, der Mann ist eben eine Zicke, eine Spaßbremse, eben ein typisch versnobter Hollywoodstar. Vielleicht hat aber auch die Chemie zwischen Interviewerin und Interviewten nicht gestimmt. Kommunikation ist das, was beim Anderen ankommt. Denn ein gutes Interview hat auch viel mit guter Gesprächsführung zu tun. Und die ist niemals eine Einbahnstraße. So schreibt der Reporter Christian Thiele im aktuellen Medium Magazin:

"Ein gutes Interview zeigt aber auch den Gesprächsführenden als denkendes, gesitreiches, einfühlsames - wenn nötig - doch auch bestimmendes Gegenüber. Ein Gegenüber, das sich auf Augenhöhe sieht mit dem zu Interviewenden. Das sich nicht scheut, etwas preiszugeben von sich."

Wieviel Rebecca Casati wirklich von sich preis gegeben hat, wissen wir nicht. Nur, dass sie wohl ganz schön gefröstelt hat in der Anwesenheit des interviewten Schauspielers. Warum sonst vergleicht sie ihn mit Saturn? "Der Planet, der", wie sie schreibt, " von vielen Eisschichten umgeben ist". Na, dann passt das missglückte Interview wenigstens zum Wetter.

Foto: David Shankbone, Wikipedia














Wednesday, November 19, 2008

Man kann nicht nicht kommunizieren (2)

Wen man Worte über etwas verliert, lösen diese sich nicht einfach auf. Sie werden recyclelt, manchmal missbraucht, manchmal gehobelt, geschliffen oder sogar vergoldet. Gelegentlich schleichen sie sich ganz einfach davon. Und tauchen an anderer Stelle unerwartet wieder auf. So ist es einer Horde meiner Buchstabenkinder neulich passiert. Da fand ich doch die Gören in tiefster Nacht wieder, völlig verdreht hingen sie in einer wildfremden Wohnung ab.

Wednesday, November 12, 2008

Money is sexy, money is emotion

Dass der Mensch meist mehr von Emotionen als der Ratio geleitet wird, belegen gleich zwei aktuelle psychologische Studien. Die eine Studie bezieht sich auf eine Untersuchung der Universität Gießen und bestätigt, dass Geld hoch emotional aufgeladen ist.


So sind Börsenmakler laut dieser Studie kaum in der Lage, logisch zu denken. Wie Kognitionspsychologen bei einer Studie mit 20 erfahrenen Börsenmaklern herausfanden, lassen sich die Börsianer vielmehr durch ihre früheren Erfahrungen leiten. Es fällt ihnen demnach schwer, sich von vermeintlich richtigen Denkmustern zu lösen.


Markus Knauff und seine Mitforscher von der Abteilung „Allgemeine Psychologie und Kognitionsforschung“ interessierte vor allem die Frage: Was geht im Kopf der Börsianer vor, wenn eine Schlussfolgerung über die Folgen eines Aktiengeschäfts zwar logisch gesehen die richtige wäre, diese Schlussfolgerung aber im Widerspruch zu dem steht, was die Börsenmakler für richtig halten? Die Untersuchungsteilnehmer sind zum Teil seit mehr als zehn Jahren für große Finanzunternehmen an der Frankfurter Börse tätig.


Besonders machten sich die Defizite beim logischen Denken bemerkbar, wenn die Börsenmakler aufgefordert wurden, Entscheidungen allein „logisch“ zu treffen, auch wenn diese Entscheidung nicht mit ihrer Erfahrung übereinstimmte. In diesen Fällen zogen die Versuchsteilnehmer sehr viele falsche Schlüsse, und es dauerte viel länger, bis sie eine Entscheidung getroffen hatten. Sie waren dann sogar schlechter als eine Vergleichsgruppe von Versuchspersonen, die über keinerlei Erfahrung an der Börse verfügten.


In der aktuellen Berichterstattung über die Ursachen der Finanzmarktkrise und die Möglichkeiten ihrer Bewältigung kommen vor allem Wirtschaftsexperten und Politiker zu Wort. Dabei werden aber die psychologischen Faktoren kaum berücksichtigt, die das Handeln der Akteure beeinflussen. „Geldgier“ allein reicht als Erklärung für das Versagen von Managern und Wirtschaftslenkern nicht aus. Es sind auch die individuellen geistigen Fähigkeiten, die es schwer machen, alle Konsequenzen von Finanzentscheidungen und deren Wechselwirkungen vorherzusehen. Dies gilt selbst dann, wenn der gute Wille vorhanden ist.


In einer anderen Studie entdeckten die Forscher, dass „rein rationale“ Entscheidungen kaum möglich sind. Die Wissenschaftler untersuchten, was in den Gehirnen von Versuchspersonen passiert, wenn sie Aufgaben lösen müssen, in denen es zu einem Konflikt kommt – zwischen dem, was die Person für moralisch richtig hält, und dem, was die „rational“ richtige Entscheidung wäre.


An dieser Untersuchung nahmen 30 Studierende verschiedener Fachrichtungen teil. Die Aktivität in den Gehirnen der Probanden wurde mittels funktioneller Kernspintomografie gemessen, während sie Denkaufgaben lösten, bei denen sie sich zwischen „moralisch richtigen“ und „rein logischen“ Verhaltensweisen entscheiden mussten. Die Ergebnisse zeigen, dass es in beiden Fällen auch zu Aktivität in Regionen des Gehirns kommt, die mit starken Gefühlen und emotionalen Bewertungen in Verbindung stehen.


Quelle: idw

Foto: wikipedia.de

Thursday, November 6, 2008

8 mal 8 gleich Zufallsgenerator Stöckchen

Heute mal ganz privat. Denn die freundliche FrauLehmann war so frei und hat mir ein Stöckchen zugeworfen. Das ich freudig aufgeschnappt habe. Wau. Nach den Regeln des Zufallsgenerators Stöckchen erzähle ich acht zufällige Dinge über mich. Dann geht das zufallsgenerierte Holzstück an acht weitere Menschen.

Zufällig

1) freue ich mich auf meine erste Rocky Horror Picture Show am Samstag.

2) will ich zum x-ten Mal von meiner Sucht loskommen. Kampf dem Kristallzucker!

3) saß ich heute trotz guter Vorsätze mit Stephanus in Barcellos Salon Sucre und habe angeregt den Worten des zuckersüßen Pâtisseurs gelauscht.

4) tropft der Hahn in der Küche, während der Kater schnarcht.

5) kröne ich mich selbst wieder einmal für überflüssige Dusseligkeiten. I am the queen of sillyness, sometimes.

6) höre ich gerade den Song von Paul Simon "50 ways to leave your lover". Ob es auch einen 51. Weg gibt?

7) verrät mir der Gala-Partnerschaftstest, dass ich zu 82 Prozent mit dem Schauspieler Gary Oldman zusammenpasse. Aufmerksamen Lesern ist nicht entgangen, dass auch hier wieder die Zahl "acht" ihre Hände mit im Spiel hat. Gary biete, so die Gala, Extreme: viel Leidenschaft, aber auch eine extreme Liebe zur Schauspielerei, auf die ich Rücksicht nehmen müsse. Aber dafür könne Gary mir "jeden englischen Akzent beibringen", den ich lernen will. Weiter verspricht mir die Gala absolute Sonnenscheingarantie mit Herrn Oldman.

Temporäre Trennungen auf Zeit tun der Beziehung trotzdem gut, dann knallen beim Wiedersehen auch wieder die amourösen Sicherungen durch, und es kommt zum liebestollen Tanz der komplettierten Herzen.
Yes, we can, Sweetheart!


8) weiß ich, dass die Zahl "acht" bei den Chinesen eine Glückzahl ist. Die Ziffern der Acht werden als "ba" dargestellt, was so viel wie Reichtum und Glück bedeutet.

So, jetzt gebt fein acht, ich hab' euch etwas mitgebracht.

I proudly present: eight new wooden sticks for the wonderful :

1) Shripsinn

2) Eigenhund

3) Don Dahlmann

4) Supatopcheckerbunny

5) Alles-Mögliche-Blog / Mario

6) Hophnung

7) Textblog / Susanne Ackstaller

8) geht an dasjenige Glückskind, das der Versuchung einfach nicht widerstehen kann.

Wer sich angesprochen fühlt, darf loslegen. Nur zu!

Wednesday, November 5, 2008

Yes


Congrats to the new President of the USA, Mister Barack Obama! Thank you, America! And thank you, Mrs. Ann Nixon Cooper!

Herzlichen Glückwunsch, Barack Obama!
Bemerkenswert ist nicht nur, dass es mit dem 44. Präsidenten endlich ein erster farbiger Politiker geschafft hat, erster Mann im Weißen Haus zu werden. Bemerkenswert ist auch, wie hoch die Wahlbeteiligung war und dass die materielle und immaterielle Unterstützung diesmal von amerikanischen Volk und nicht vom Weißen Haus kam. Die Wahl war eine wahrhaft demokratische Wahl. Ein Sieg für die Aufklärung. Ein Sieg für die Demokratie.

Es waren mehr Frauen als Männer, mehr Schwarze und Latinos als Weiße, mehr 20- und 30-Jährige als 60- und 70-Jährige, die für Obama gestimmt haben. Die aber bemerkenswerteste Fr
au, die ihren Stimmzettel abgegeben hat, ist Ann Nixon Cooper. Die mit 106 Jahren älteste Wählerin Obamas ist "gerade mal eine Generation nach dem Ende der Sklaverei geboren worden", wie wie der neue Präsident in seiner Siegesrede in der vergangenen Nacht selbst sagte. "Das war in jener Zeit, in der keine Autos auf den Straßen und keine Flugzeuge am Himmel waren." Ann Nixon Cooper war mit Martin Luther King befreundet. Sie litt unter Jahre langer Diskriminierung, musste im Bus immer sitzen war. Wählen durfte sie als junge Frau früher auch nicht. Warum? Weil sie eine Frau war und auf Grund ihrer Hautfarbe.

Die Zeiten haben sich geändert. Alles fließt. Gott sei Dank.




Thursday, October 30, 2008

Man kann nicht nicht kommunizieren

Oder anders ausdrückt: Alles ist Kommunikation, selbst das Schweigen. Diese Annahme zählt zu den wichtigsten Axiomen des 2007 verstorbenen Psychologen Paul Watzlawick. Bei Wikipedia wird dieses Kommunikationsgesetz wie folgt erläutert:

Sobald zwei Personen sich gegenseitig wahrnehmen können, kommunizieren sie miteinander, da jedes Verhalten kommunikativen Charakter hat. Watzlawick versteht Verhalten jeder Art als Kommunikation. Da Verhalten kein Gegenteil hat, man sich also nicht nicht verhalten kann, ist es auch unmöglich, nicht zu kommunizieren. Dieses Axiom ist auch bekannt als Metakommunikatives Axiom. Wir kommunizieren also auch nonverbal und unbewusst.


Watzlawicks wissenschaftliches Interesse galt insbesonders der Bedeutung der Kommunikation für zwischenmenschliche Beziehungen und ihre Störungen.

Tuesday, October 28, 2008

Happy Birthday, Niki de Saint Phalle!

Today the artist would be 78, if she had not died in May 2002. Niki de Saint Phalle, born in France,was a Swiss sculptor, painter, and film maker. In 1961, she became known around the world for her Shooting paintings. A shooting painting consisted of a wooden base board on which containers of paint were laid, then covered with plaster. The painting was then raised and de Saint Phalle would shoot at it with a .22 caliber rifle. The bullets penetrated paint containers which spilled their contents over the painting. This "painting style" was completely new. After the "Shooting paintings" came a period when she explored the various roles of woman. She made life size dolls of women, such as brides and mothers giving birth. They were usually dressed in white. They were primarily made of polyester with a wire framework. They were generally created from papier mâché. (Read more about her on Wikipedia.)



Niki de Saint Phalle wurde in Frankreich geboren, wuchs aber hauptsächlich in den USA auf und wurde infolge ihrer Heirat mit Jean Tinguely im Jahr 1971 in der Schweiz eingebürgert. 1953 entstanden ihre ersten Gemälde. Zunächst arbeitete sie als Aktionskünstlerin und machte ab 1956 mit ihren Schießbildern auf sich aufmerksam. Das waren Gipsreliefs mit eingearbeiteten Farbbeuteln, auf die sie während der Vernissage schoss. Ab 1964 entstanden die ersten „Nanas“ − Frauenfiguren mit betont weiblichen Formen - anfangs noch aus Draht und Textilien gefertigt. Schon bald wechselte sie jedoch ihre Technik und arbeitete vorwiegend mit Polyester. 1966 installierte sie unter Mitarbeit ihres zweiten Ehemanns Jean Tinguely und des Schweden Per Olof Ultvedt im Stockholmer Moderna Museet eine 29 Meter lange liegende Skulptur mit dem Namen „Hon“ (schwedisch: „sie“), die durch die Vagina betreten werden konnte und in deren Innerem sich unter anderem eine Bar und ein Kino befand. Die Nanas werden mit reinbunten Farben gemalt. Am 22. Mai 2002 starb sie an den Folgen einer Lungenerkrankung in San Diego. Heute wäre Niki de Saint Phalle 78 Jahre alt geworden. (Mehr zu Niki de Saint Phalle steht bei Wikipedia.)





Sunday, October 26, 2008

Auf der Suche nach dem weißen Kaninchen

Ulkiger und ulkiger, würde Alice sagen, wenn sie das merkwürdige, weiße Kaninchen beschreiben sollte. Doch die Rede soll hier nicht von Alice im Wunderland sein. Gemeint ist nicht Lewis Carrolls fiktive Tiergestalt, sondern ein dreidimensionales Stofftier, das der britische Künstler Banksy derzeit in einer New Yorker Tierhandlung ausstellt.


In der "Tierhandlung" gibt es auch andere tierische Sensationen wie etwa schwimmende Fischstäbchen oder einen fernsehsüchtigen Kunstaffen, der erschreckend echt aussieht.


Der Künstler, der seine echte Identität geheim hält, ist auch als Streetart- und Graffiti-Künstler bekannt. Nach Angaben von Wikipedia hängt Banksy seine eigene Arbeiten auch ungefragt in Museen auf. Sowohl im Londoner Tate Modern, New Yorker Museum of Modern Art, Metropolitan Museum of Art, the Brooklyn Museum, American Museum of Natural History, sowie im Louvre hingen 2005 unbemerkt seine Arbeiten. Im Mai 2005 wurde Banksys Version einer Höhlenmalerei, die einen jagenden Menschen mit Einkaufswagen zeigte, im British Museum gefunden.

Im September 2006 bearbeitete er das Debütalbum Paris von Paris Hilton und verteilte 500 Kopien der Fälschung in diversen britischen Plattenläden. Unter anderem zeigt ein Foto Hiltons Körper mit einem Hundekopf. Des Weiteren ist die Musik auf den CD Eigenkompositionen von Banksy gewichen. Die Stücke bestehen aus schlichten Rhythmen mit Ausrufen Hiltons („That's Hot!“). Ebenfalls im September 2006 installierte er eine Skulptur eines Guantanamo-Häftlings in einer Disneyland-Park-Attraktion.


Warum Geiz nicht geil ist


"Geiz ist geil" propagiert ein berühmter Werbeslogan, doch gesellschaftsfähig ist er keineswegs. "Aber man kann mit seiner modernsten Form kurzfristig Anerkennung erzielen", sagt der Würzburger Psychologie-Professor Dr. Fritz Strack im Interview mit der Frauenzeitschrift FÜR SIE (23/08; EVT: 28. Oktober). "Der Schnäppchenjäger erhebt sich damit zumindest für den Moment über die anderen - er zeigt sich als cleverer und geschäftstüchtiger."


Strack unterscheidet Geiz von Sparsamkeit. "Sparsamkeit ist eine Tugend, die in bestimmten Situationen notwendig ist und die jeder beherrschen sollte", sagt der Psychologe. "Bei Geiz aber wird die Verhältnismäßigkeit nicht gewährt und das gesparte Geld nur zum Selbstzweck gehortet." Entscheidend sei allerdings, dass der Sparzwang die Lebensqualität einschränke: "Geiz geht zu Lasten der eigenen Lebensfreude." Nicht nur weil der Geizkragen sich selber nichts gönnen kann, sondern weil er auch nichts abgibt. "Wer nicht teilen kann, wird zum Außenseiter", warnt Strack. "Denn genau auf dieser Fähigkeit basieren nun einmal soziale Beziehungen."


Rein materiell gesehen könne Geiz zwar zum Wohlstand beitragen, emotional aber mache Geiz keineswegs reich: "Gefühle, die unsere Lebensqualität ausmachen - wie eben Glück, Zufriedenheit, Genuss - werden durch Geiz verhindert." Preissuchmaschinen im Internet oder Ähnliches würden den fatalen Schnäppchentrend noch erhöhen. "Wer nicht möglichst günstig einkauft, der gilt entweder als zu blöd oder zu träge", konstatiert der Würzburger Psychologe. "Das erhöht den Druck, möglichst clever einzukaufen."


Die Ursache für Geiz liege oft in der Familie. Wer zu extremer Sparsamkeit erzogen sei, könne sich davon nur schwer lösen. Auch wenig genussfähige und ängstliche Menschen seien anfälliger für Geiz. Allerdings könne man sein Verhalten schlicht ändern. "Geiz ist keine Krankheit, sondern eine schlechte Eigenschaft", sagt Strack. Wer die Konsequenzen seiner Sparwut als negativ empfinde, habe die Chance, sich zu verändern. "Wenn der Verlust an Lebensqualität, Genuss oder sozialer Anerkennung schmerzt, ändert der Geizhals sein Verhalten am ehesten."

Und täglich eine Portion... Sex?


Täglich Sex nach Plan empfehlen zwei US-Ratgeber, um die Lust in der Partnerschaft wieder anzukurbeln. Ein Rezept, das nur wenige Deutsche ausprobieren möchten, wie eine Gewis-Umfrage der Frauenzeitschrift FÜR SIE (23/08; EVT: 28. Oktober) ergab. Befragt wurden dabei 1093 Männer und Frauen zwischen 30 und 59 Jahren, die seit mindestens fünf Jahren in einer festen Beziehung leben.


Gerade mal drei Prozent können sich vorstellen, täglichen Sex auszuprobieren. "Viel zu anstrengend" winken dagegen 94 Prozent den Vorschlag ab. 97 Prozent befürchten, dass dabei die Gefühle auf der Strecke bleiben, nahezu ebenso viele bezweifeln, dass sich die Erotik durch Sex nach Plan wiederbeleben lässt. Immerhin zwei Drittel der Befragten gaben an, dass sie die Flaute im Bett auf andere Weise zu überwinden suchen. Denn dass die Erotik im Lauf der Jahre zu kurz kommt, ist weit verbreitet. 55 Prozent der Männer und fast jede zweite Frau über 45 Jahren beklagt zu wenig Sex in der Partnerschaft.


Ein hausgemachtes Problem, wie Sexualtherapeut Ulrich Clement weiß. "Die Partner reduzieren ihre Sexualität auf den kleinsten gemeinsamen Nenner", sagt der Professor für medizinische Psychologie an der Universität Heidelberg. "Damit verkleinern sie ihre sexuellen Möglichkeiten und erzeugen ihre Lustlosigkeit selbst." Clement rät Paaren, sich mit den eigenen erotischen Wünschen und denen des Partners auseinanderzusetzen. "So entsteht Neugier und Aufmerksamkeit für den Partner." Für Paare ohne zwischenmenschliche Probleme hält er die US-Methode für durchaus interessant. "Wenn Partner sich zum Liebesakt verabreden, übernehmen sie wieder aktiv die Gestaltung ihrer Sexualität", erläutert der Therapeut. "Das ist manchmal der richtige Ausweg aus einer sexuellen Flaute."

Bild:
Édouard-Henri Avril

Saturday, October 25, 2008

Kleines Workout für die Seele

Nicht nur der Körper braucht es, auch die Seele. Ein regelmäßiges Fitnesstraining.

1) Flowerpower
Ein Päckchen Blumensamen passen in jede Hand- und Hosentasche. Streue Ringelblumensamen auf den Straßenrandstreifen. Oder Glockenblumensamen, oder Gänseblümchensamen, oder...

2) Schreibe ein Rezeptbuch für deine Ideen und Inspirationen
Lass deine Ideen nicht wie Wasser in den Händen zerinnen. Sammele sie wie Kochrezepte in einem Buch. Klebe Fotos, Zeitungsartikel und Postkarten hinein. Sammele dort Zitate, Liedtexte, Gedichte und alles, was dich inspiriert.

3) Feiere kleine Erfolge
Du kannst noch so lange warten, bis du den Kisch- oder Literaturnobelpreis, den Oscar oder den Bambi erhälst. Glücklicher aber wirst du, wenn du zwischendrin Teilerfolge feierst. Zudem kannst du auch ein Erfolgstagebuch führen. Vergiss nie: Der Weg ist das Ziel.


4) Sei dankbar
Mach dir bewusst, wer dir kürzlich geholfen hat. Bedanke dich bei ihm oder ihr. In Gedanken, mit Worten oder einem kleinen Geschenk.

5.) Setze dir Deadlines
Kampf der Prokrastination! Setze dir Zwischenziele und Deadlines. Und vergiss nicht, dich für das Einhalten der Ziele hinterher zu belohnen.

Thursday, October 23, 2008

Zum Steuerverbrecher geboren

Schluss mit lustig. "Die ersten Bankenbosse sollen bluten", titelt Focus online heute. Und bezieht sich auf einen Bericht der Süddeutschen Zeitung. Demnach soll die IKB als erste Bank "hart durchgreifen". Laut SZ verklage sie Ex-Vorstandschef Ortseifen auf Rückzahlung von Tantiemen von Höhe von 805.000 Euro. Zwei weiteren Ex-Vorständen soll die Privatbank ein Rückzahlungsultimatum bis 31. Oktober gesetzt haben.



Hart durchzugreifen scheint auch die Devise des Bundeszentralamts für Steuern zu sein. Das Bundesamt verschickt seit einiger Zeit die neuen Steuer-IDs alle - vom Baby bis zum Greis. Wer geglaubt hatte, das sei ein schlechter Scherz, unterschätzt die verbissene Ernsthaftigkeit deutscher Staatsapparate. Eine kurze Nachfrage bei jungen oder älteren Eltern bestätigt, dass auch die zwei Monate junge Anna-Lenna und der dreijährige Linus wie selbst verständlich schon ihre "persönliche Identifikationsnummer" haben oder in den nächsten Wochen noch zugeschickt bekommen. Sie können sie zwar zwar noch nicht lesen, aber das macht ja nichts. Hauptsache, sie sind als mögliche Steuerhinterzieher schon einmal registriert. Natürlich können sie dem auch nicht widersprechen, denn Kinder sind keine Rechtspersonen. Weder dürfen sie wählen gehen noch Rechtsgeschäfte abschließen. Erklärt wird dieser Sachverhalt weder den Kindern noch ihren Eltern. Lediglich in zwei Sätzen "erklärt" das Bundeszentralamt die vermeintliche Notwenigkeit:

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass die Identifikation auch Kindern zugeteilt wird. Dies ist erforderlich, weil schon ab Geburt eine Steuerpflicht begründet sein kann.


Das sagt doch schon alles, nicht wahr?! Gemeint sein soll damit wohl die Steuerpflicht bei erbenden Kindern sein. So ist es zumindest in einem Interview bei Tagesschau.de nachzulesen. Aber warum kommuniziert das Bundeszentralamt das nicht selbst auf seinem Schreiben? Man kann nicht nicht kommunizieren, um einmal Paul Watzlawick zu zitieren. Vielleicht sollte das Zentralamt einmal an seinen kommunkativen Kompetenzen arbeiten, bevor es neue Verordnungen durch die Gegend schickt. Und außerdem: Wie viele Babys und Kids sind denn gebürtige Erben? Ein Großteil oder gar alle? Und von einer Diskussion über den gläsernen Bürger ganz zu schweigen.

Tuesday, October 21, 2008

Das Web 2.0 sind wir... alle

Ist das Internet der Götze des 21sten Jahrhunderts? Und das Web 2.0 das Ende echter menschlicher Kommunikation? Sind wir alle Sklaven eines großen digitalen Manitus? Dem widerspricht Michael Wesch. Der Assistenz-Professor für kulturelle Anthropologie an der Kansas State University erforscht die Einflüsse der neuen Medien auf die menschliche Interaktion. Und kommt zu dem Schluss: Die Maschine ist nichts ohne die Menschen. Der Rechner alleine kann die Inhalte des Netz heute nicht mehr alleine erfassen und ordnen. Er braucht den Menschen, sein strukturiertes Denken, seine Phantasie. Das Web 2.0 sind wir. Wir alle.


Web 2.0 ... The Machine is Us/ing Us - Watch more funny videos here




Saturday, October 18, 2008

Die wunderbare Welt des Urknalls

Kennen Sie Atlas, Alice und LHC? Wissen Sie schon, wie die wunderbare Welt von Urknall, Teilchenphysik und dem Teilchenbeschleuniger LHC funktioniert? Nein. Dann fragen Sie Kate McAlpine. Die 23-jährige US-Journalistin und Rapperin erklärt in ihrem, auf YouTube und ihrer Homepage zu sehenden, Musikvideo Large Hadron Rap das Who- is-who der Teilchenphysik. Physiker haben Kate McAlpines Rap-Song für wissenschaftlich korrekt erklärt. Die Journalsitin selbst sieht sich als Science Communicator. Ihr Ziel ist sei es - so erklärt sie auf auf ihrer Website -

... to explain scientific topics in a way that is relevant, interesting, and understandable

Weiter so, Kate!





Friday, October 17, 2008

Essbare Farbtherapie

Farben sind wichtig in unserem Leben: Sie wirken auf unsere Psyche, prägen unser Denken, Fühlen und Handeln und können sogar zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden.


Wie die Zeitschrift Vital (Ausgabe: 8/2008) berichtete, kann man sich mit Gemüse und Früchten nun auch eine Art essbare Farbtherapie verordnen. Nach neuesten Erkenntnissen setzt sich nämlich jeder Pflanzenfarbstoff aus speziellen Komponenten mit spezifischen Heilwirkungen zusammen. Das in Tomaten enthaltene Lycopin etwa senkt schlechte Blutfette (LDL-Cholesterin) und schützt so vor Herzinfarkt, Schlaganfall und zu hohem Blutdruck. Für den Effekt reicht der Verzehr von fünf Tomaten pro Tag. Chilischoten wiederum enthalten einen hohen Anteil an Karotinoiden, die wie ein natürliches Antibiotikum wirken.

Unter den grünen Gemüse und Früchten sticht besonders der Brokkoli als besonders gesund hervor. Der darin enthaltene Pflanzenfarbstoff Chlorophyll bindet Giftstoffe, sorgt für die rasche Entsorgung aus dem Körper und hat so eine Krebs hemmende Wirkung. Aber auch alle anderen Kohlarten besitzen einen hohen Krebsschutzfaktor. Möhren können in Maßen ebenfalls Krebs vorbeugen. Die in Höchstmengen enthaltenen Vitalstoffe Alpha- und Betakarotin sorgen aber vor allem für die Gesundheit von Augen, Haut und Haar. Wer seinen Blutgefäßen etwas Gutes tun will, greift zu blauen Heidelbeeren - in Japan ein Geheimtipp, um länger jung zu bleiben. Der Farbstoff Myrtillin hält besonders die Gefäße in Gehirn und Augen geschmeidig und kann Netzhautproblemen durch Diabetes vorbeugen.

Topgesund ist auch Knoblauch, vor allem die jungen Zwiebeln mit zartrosa oder hellvioletten Einsprengseln. Die darin enthaltenen Flavonoide entfalten ein besonders großes Wirkungsspektrum: Sie hemmen das Wachstum von Bakterien und Viren im Körper, verhindern Entzündungen und verdünnen das Blut.






Monday, October 13, 2008

"Aromen der späten DDR"


"Der Turm" von Uwe Tellkamp ist der "Roman des Jahres". Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zeichnete am Montagabend den Roman über die untergehende DDR mit dem Deutschen Buchpreis aus.

In der Begründung der Jury hieß es laut Frankfurter Allgemeine Zeitung, Tellkamps großer Vorwenderoman entwerfe in einer Fülle von Szenen, Bildern und Sprachformen „das Panorama einer Gesellschaft, die ihrem Ende entgegentaumelt“. Den Lesern erschlössen sich in ihm „wie nie zuvor Aromen, Redeweisen und Mentalitäten der späten DDR“. Uwe Tellkamp wurde 1968 in Dresden geboren. Nach seinem Wehrdienst in der NVA verliert er wegen »politischer Unzuverlässigkeit« seinen Medizinstudienplatz, wird 1989 im Zuge der Wende inhaftiert und setzt danach sein Studium in Leipzig, New York und Dresden fort. Nach seinem akademischen Abschluß arbeitet er als Arzt in einer unfallchirurgischen Klinik in Dresden. Derzeit lebt er als Schriftsteller in Freiburg.

Nächste Lesung in Berlin:
10. November 2008
19:30 Uhr

Museen Dahlem
Lansstr. 8
14195 Berlin


Video mit Uwe Tellkamp auf Zeit online:
Wovon erzählt die junge, deutsche Literatur?

Autorenfoto: Brigitte Friedrich / Suhrkamp

Wie es mit dem Günther dann weiter ging...


... bis spät in die Puppen. Quatsch. Das Ganze endete im TV dann so, dass die massierende Kandidatin Jauch erzählte, sie könne auch aus der Hand lesen. Jauch, sichtlich interessiert: "Kann ich die Massage auch umtauschen?" Die Hand lesende, übrigens sehr blonde, Massagekünstlerin lächelt und ergreift Jauchs Hand: "Sehr ausgeprägte Herzlinie. Bei Männer bedeutet das eine starke Potenz." Jauch schluckt. Kurz davor hat er noch gesagt: "Wir bleiben im insektitiven Bereich." Na denn, lasst uns insektieren.




Foto: bastih01/wikipedia

Sunday, October 12, 2008

Mein Abenteuer mit Günther

... Jauch fand Freitagabend statt. Ganz privat, natürlich. Ich dürfte ihn mir im Fernsehen ansehen. Dabei hab ich gar nicht richtig hingesehen, weil ich vorm Rechner saß. Doch mit einem Ohr habe ich doch etwas aufgeschnappt.

Erste Frage von Herrn Jauch:


Und dann:
Jauch flattert verzweifelt mit den Armen.


Fotos: tweetscreen project, Berlin

Happy Birthday P. J. Harvey

Am Freitag, 9. Oktober, wurde Polly Jean Harvey 39 Jahre. Herzlichen Glückwunsch nachträglich. Und damit alle wissen, welche Musik die britische Indepent-Musikerin macht, anbei eine kleine Kostprobe der Künstlerin. Sie spielt den Song Silence.
Geburtstag, Musik, P. J. Harvey

Lappen ohne Limit : Der Temporallappen


Bei meinen kürzlichen Überlegungen zum Thema Schreibhemmung und Prokrastination bin ich über den Begriff Schläfenlappen gestolpert. Dort sollen unter anderem Schreibhemmungen zu finden sein. Mal sehen, was Dr. Wikipedia dazu meint:

Der Temporallappen (v. lat. tempus „Schläfe“) oder Schläfenlappen ist einer der vier Lappen des Großhirns und macht dessen laterobasalen (unten und seitlich gelegenen) Anteil aus. Er wird nach oben und vorne vom Sulcus lateralis (Fissura Sylvii) gegen den Scheitellappen (Parietallappen, Lobus parietalis) und den Stirnlappen (Frontallappen, Lobus frontalis) abgegrenzt, nach hinten grenzt er an den Hinterhauptslappen (Occipitallappen, Lobus occipitalis). Der Temporallappen enthält den primären auditorischen Cortex, das Wernicke-Sprachzentrum und wichtige Strukturen für das Gedächtnis.


Na, denn. Wieder mal was gelernt. Das war das Wort zum Sonntag.

Saturday, October 11, 2008

Top oder Flop? Über den Umgang mit dem H-Wort

Es hurt mal wieder herum. Nach den Inquisitoren und den Bigotten, nach den Schriftsetzern und den Grafikern, nach den Spießern, Verdrängern und den vor Neid erblassten, sind nun auch Blogger und Web-Afficinados sich nicht zu schade, einen abgefrühstückten Begriff für ihre Terminologie zu nutzen. Die Rede ist von der Inflation des Begriffes Hure.

Einfältig und einfallslos hat der Begriff in der Bloggerszene Einzug gehalten. PI-Huren heisst immer öfter, also Page Impressions-Huren. Klicks um jeden Preis. Schade eigentlich. Neues Medium, neue Möglichkeiten, aber ausgelatschter Begriff. Und frauenfeindlich obendrein. Warum heisst es denn nicht PI-Strichjungen? Oder PI-Callboys? Noch immer hat der Begriff einen schalen, weil diffamierenden Beigeschmack.


So heisst es auch bei Wikipedia:

Das Wort Hure wurde und wird auch als Schimpfwort für Frauen benutzt, insbesondere wenn diese sexuell selbstbestimmt bzw. aktiv waren.

Auch, wenn bei Wikipedia im nächsten Absatz eingeräumt wird, dass engagierte Sexarbeiterinnen und Sex-Aktivistinnen in den vergangenen Jahren dafür gesorgt haben, dass der Begriff eine gewisse Aufwertung erfahren hat. Doch was heisst Aufwertung? Dass der Terminus, der Jahrhunderte lang im tiefsten Minusbereich lag, jetzt nur noch bei -3 oder -2 liegt?

Die tendenzielle Frauen- und eigentlich auch Sexfeindlichkeit des Begriffes ist mir wieder einmal bewusst geworden, als mir meine Freundin D. voller Ablehnung von Liebesabenteuern einer Bekannten erzählt. "Die hat ganz schön rumgehurt", sagte D. und verzog leicht angewidert das Gesicht. Igitt. Pfui-bah. Doch ich dachte mir: So what? Jedem das Seine. Aber "herumhuren"? Wie altbacken ist das denn!? Und dann auch noch aus dem Munde einer Frau.
Dabei ist der Begriff etymologisch fast harmlos. So steht denn bei Wikipedia:

Das Wort leitet sich von der indogermanischen Wurzel qar "begehrlich, lieb" ab, aus der sich auch das lateinische carus "lieb, teuer" entwickelt hat.

Doch dann heisst es weiter:


Im Althochdeutschen bezeichnete huor nicht nur Prostitution im Besonderen, sondern den außerehelichen Beischlaf im Allgemeinen; huora wurde auch in der Bedeutung "Ehebrecherin" gebraucht. Eine Entsprechung für ehebrüchige Männer ist nur im Gotischen (hors) und Altnordischen (horr) bezeugt.

Na, immerhin. Dennoch bleibt in unserem ach so aufgeklärten, sexuell befreiten 21. Jahrhundert der Makel des Schmuddelsex immer noch an den Frauen haften. Wie fortschrittlich. Sprache bestimmt das Bewußtsein. Das gilt auch für den angesächsischen Sprachraum, auch dort wird der Begriff abwertend gebraucht:

Use of the word whore is widely considered pejorative, especially in its modern slang form of ho'.

Was also tun, wenn ein Schriftsetzer mal wieder an den Hurenkindern seines Lay-outs verzweifeln, Web-Journalisten über geldgeile PI- Huren den Kopf schütteln und meine Freundin über sexuell aktivere Frauen die Nase rümpft? Wie agieren, wenn die Welt um mich herum entweder in tiefster Intoleranz verspießt oder gedankenlos gefährliche Begriffe kopiert und wahllos in die Gegend sprüht, als seien sie ein erfrischender neuer Duft? Ich könnte mich ablenken und zur Abwechslung etwas von Harald Martenstein lesen. Doch der hat vor einiger Zeit auch das H-Wort benutzt. Er hat sich selbst als Texthure bezeichnet. Wie schön für ihn. Da wandere ich doch lieber aus. Am besten nach China. Dort gibt es im Nordosten des Landes eine Gemeinde, die sich genauso nennt: Hure.







Friday, October 10, 2008

Vom Winde verdreht



Eigentlich. Nun eigentlich wollte ich dieses Weblog eigentlich mit viel Frische, Frechheit und vor allem Fulminanz beginnen. Doch kaum, dass es ans Schreiben geht, geht es auch gleich ans Eingemachte. Federleichtes Posten, sprich Texte schreiben und veröffentlichen, kommt mir plötzlich Zentner schwer vor. Wackersteinschwer. Bin ich der böse Wolf, der zu schnell und zuviel verbotene Gedanken - pardon: Geislein - verschlungen hat? Hyperaktives Über-Ich? Zu strenges Erwachsenen-Ich? Inneres Kind nicht genug gehätschelt? Bevor ich monologisiere mit unfundierter Küchenpsychologie, ziehe ich Wikipedia zu Rate. Dort wird mir eine heftige Schreibblockade diagnostiziert. Aha.

Eine Schreibblockade oder auch Schreibhemmung ist ein psychisches Phänomen, das in der Schwierigkeit oder Unmöglichkeit besteht, einen Text mit bestimmtem Inhalt bzw. bestimmtem Ziel aufzuschreiben.Eine Schreibblockade kann verschiedene unterschiedlich schwerwiegende Erscheinungsformen haben, manchen Betroffenen fällt es nur schwer, einen Anfang zu finden, andere quälen sich Wort für Wort durch ihre Texte, während ihnen eine mündliche Wiedergabe des Inhalts nicht schwer fällt. Wieder andere werden schon beim Gedanken an die Anfertigung ihrer Arbeit oder beim Anblick ihres Computers oder Bildschirms von körperlicher Übelkeit oder Unruhe befallen, und schaffen es noch nicht einmal, das Schreibprogramm oder ihren Computer zu starten. Die Betroffenen neigen häufig dazu, so genannte Vermeidungshandlungen durchzuführen, sich also mit derzeit weniger wichtigen Tätigkeiten abzulenken, wie exzessives Aufräumen, Sortieren oder Putzen. Auch das endlose Weitersammeln und Suchen von neuem Material kann eine solche Vermeidungstaktik sein. Das Gegenstück zur Schreibblockade ist der Schreibzwang oder die Schreibwut, eventuell können beide Phänomene aber auch gleichzeitig auftreten.

So, so, Vermeindunghandlung. Ich zaudere, zögere, zittere innerlich. Vermeide es als Konsequenz zu handeln. Die Psychologen nennen Aufschieberitis auch Prokrastination. Sigrid Neudecker hat im Wochenmagazin Die Zeit sehr lesenswert darüber berichtet.



Doch weiter zu Doktor Wiki. Dort wird von renommierten Schriftstellern berichtet, die unter derartigen Schreibhemmungen auch gelitten haben sollen. Von Douglas Adams über Franz Kafka bis hin zu Stephen King und J. R. R. Tolkien. Wunderbar, denke ich. Vielleicht bin ich gar nicht mal so schlecht. Die Schnittmenge mit jenen großen Wortweltenerfindern und Geschichten-Konstrukteuren wird auf alle Fälle größer. Wahrscheinlich sitze ich morgen Vormittag schon mit Literatur-Nobelpreisträger Jean-Marie Gustave Le Clézio bei einem Latte Macchiatto, und wir erfinden gemeinsam n unseren neuen Plot. Auch, wenn ich Monsieur persönlich gar nicht kenne.

Doch noch einmal. Was sind die Ursachen einer Schreibblockade?

Bei Wikipedia heißt es:

Die Schreibblockade kann unterschiedliche psychische Ursachen haben, z.B. Angst vor Misserfolg oder Ablehnung, Angst vor Erfolg, unerledigte bzw. verdrängte persönliche Probleme, Depression. Neurologisch werden die Phänomene der Schreibblockade und des Schreibzwangs mit einer gesteigerten bzw. übermäßig hohen Aktivität der Schläfenlappen in Verbindung gebracht.
Schläfenlappen - das ist das Stichwort. Dazu könnte man, frau oder meine Wenigkeit etwas verfassen. Schreiben und in alle Welt herausschreien. Zumindest in die Welt, die es wissen will. Aber zunächst will ich es wissen. Aber wie sagte Scarlett noch in Vom Winde verweht? Morgen ist auch noch ein Tag. Willkommen im Club der Prokrastinatorinnen und Prokrastinatoren.